Verteilen Sie Wertgegenstände noch zu Lebzeiten. Warum dies sinnvoll sein kann?

Bevor das Erbe angetreten wird, sollten die Erben prüfen, ob Sie als Erblasser überschuldet waren. Sofern Sie das nicht waren legt das sogenannte Rundumwahlverfahren fest, in welcher Reihenfolge die einzelnen Erben je einen Wertgegenstand auswählen dürfen. Kann sich die Erbengemeinschaft auf keine gütliche Verteilung der Wertgegenstände einigen, schreibt das Erbrecht eine Veräußerung vor.

Sobald also mehr als eine Person an einem Erbe beteiligt ist, entsteht nach deutschem Recht eine Erbengemeinschaft. Das bedeutet: die Nachlass-Begünstigten dürfen nur gemeinschaftlich über die Erbmasse verfügen. Hier ist Einigkeit gefragt. Sind sich also alle Erben über die Verteilung der Wertgegenstände einig, bzw. akzeptieren alle die testamentarisch festgelegte Erbquote, kann eine unproblematische Aufteilung des Erbes durchgeführt werden. In diesem Falle wird ein Teilungsplan erstellt, der von allen Erben unterzeichnet werden muss. Wertgegenstände, die nicht in das Eigentum eines der Erben gehen, können einvernehmlich veräußert und der Verkaufserlös aufgeteilt werden.

Komplexer wird der Vorgang, wenn unter den Erben keine Einigkeit zur Verteilung der Wertgegenstände aus dem Nachlass besteht. Die Erben sollten bei einem Zusammentreffen zuallererst ihre Standpunkte vertreten und nach einer gütlichen Einigung streben. Warum dies wichtig und oft doch so schwierig ist?

Bei der Bewertung der Wertgegenstände kommt es oft zu unterschiedlichen Auffassungen. Hier kann das Hinzuziehen eines Sachverständigen ratsam sein. Auch die Mithilfe einer neutralen Person, eines Mediators, kann sinnvoll sein, der alle Wünsche der Erbparteien berücksichtigt und nach Lösungsmöglichkeiten sucht. Die Kosten hierfür werden entsprechend der Erbquoten aufgeteilt. Bestehen mehrere Erben auf dieselben Gegenstände, kann ein Losverfahren über die Zuteilung entscheiden.

Tragen alle diese Bemühungen keine Früchte und die Erbengemeinschaft ist sich immer noch nicht auf eine gütliche Verteilung der Wertgegenstände einig, schreibt das Erbrecht eine Veräußerung vor. Der Verkaufserlös wird dann entsprechend der Erbquoten verteilt.

Häufige Nachteile

  • Wie so oft wird bei einem zwangsmäßigen Verkauf nicht immer ein adäquater Marktwert erzielt.
  • Sie müssen hier auch davon ausgehen, dass der Nachlass den Familienbesitz verlässt und an Dritte veräußert wird.
  • Hinzu kommt, dass eine Auseinandersetzung bei Nichteinigung langwierig und teuer für die Erben werden kann. Die Veräußerung des Nachlasses muss gerichtlich veranlasst werden. Nach Ausgleich aller Verbindlichkeiten wird durch eine gerichtliche Erbteilungsklage die Liquidierung erzwungen.

Erzielt eine Erbengemeinschaf keine Einigung, so müssen Gegenstände, wie beispielsweise Schmuck, Gemälde, Antiquitäten, Münzsammlungen, Bilder, Teppiche veräußert werden, so dass der Veräußerungserlös dann entsprechend der Erbquote verteilt werden kann. Allerdings kommt es sogar auch vor, dass Erben sich nicht darauf einigen können, dass ein Verkauf erfolgen soll.

In so einem Fall kommt es dann zum sogenannten freihändigen Pfandverkauf über einen Gerichtsvollzieher. Umgangssprachlich bedeutet dies eine Versteigerung des Nachlasses.

Sie sehen also, warum es gute Gründe gibt Wertgegenstände bereits zu Lebzeiten zu verteilen. Schenken bzw. überlassen Sie Ihren Liebsten noch zu Lebzeiten wichtige Gegenstände. So können Sie sich auch an Ihrer Freude erfreuen. Sollte dies nicht Ihrem Wunsch entsprechen, so empfiehlt es sich, eine klare Regelungen in einem Testament zu finden. So vermeidet man nervenaufreibende Auseinandersetzungen unter den Erben.