Das Erbe: Gesetzliche Erbfolge, Pflichtteil Erbe, Erbschaftssteuer

Tritt der Todesfall ein und ist keine Nachlassregelung getroffen worden, so tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Wenn diese für den Erblasser in Ordnung ist, gibt es nichts weiter zu tun. Sollte man seine Nachlassregelung bzw. Vermögensnachfolge auf eine andere Art und Weise regeln wollen, gilt es, sich vorab darüber Gedanken zu machen.

Um Ihre Hinterbliebenen finanziell abzusichern ist es notwendig, dass Sie im Vollbesitz Ihrer geistigen Kräfte festhalten, was mit Ihrem Vermögen geschehen soll. Hier gibt es einige Dinge, die es zu beachten gilt, dass die von Ihnen ausgewählten Personen Ihr Erbe, Ihr Geld und Ihren Besitz erhalten.

Was gehört alles zum Erbe, zur Erbmasse?

Alle Hinterlassenschaften eines verstorbenen Menschen werden als Nachlass bzw. Erbe bezeichnet. Hierzu gehören Aktivvermögen wie Bargeld, Sachgüter, Wertgegenstände und Immobilien, aber auch Passivvermögen wie etwa Schulden. Der Verstorbene, der sein Erbe anderen hinterlässt, wird Erblasser genannt. Diejenigen, die das Erbe erhalten, werden als Erben bezeichnet. Wer als erbberechtigt gilt, wird im Bürgerlichen Gesetzbuch, kurz BGB geregelt. Es können Einzelpersonen, mehrere Personen, die als Erbengemeinschaft auftreten oder auch Gesellschaften und Stiftungen sein, die als juristische Personen auftreten. Es kommt ganz darauf an, wen sie (in der Rolle des Erblassers) als Erbe ihrer Hinterlassenschaften, ihres Erbes einsetzen.

Kontozugriff nach Todesfall, Bankvollmacht

Erfährt die Bank vom Tod, sperrt sie das Konto und führt das Konto als Nachlasskonto. Daueraufträge und Lastschriften des Verstorbenen werden bis auf Widerruf weiterhin ausgeführt. Ansonsten ist das Bankkonto für Ihre Angehörigen erst einmal gesperrt.

Ohne Vollmacht sind nur die legitimierten Erben dazu befugt auf das Bankkonto des Verstorbenen zuzugreifen. Erben mehrere Personen, so können sie nur gemeinsam auf das Bankkonto zugreifen, Abhebungen machen o.ä.

Das Bankguthaben fällt wie andere Vermögenswerte in die Erbmasse und wird an Erben bzw. an die Erbengemeinschaft verteilt.

Eine Bankvollmacht ist in der Regel ab dem Zeitpunkt der Unterschrift über den Tod hinaus gültig. So kann der Bevollmächtigte noch zugreifen. Denken Sie ggf. an Wertpapiere, bei denen kurzfristige Käufe bzw. Verkäufe getätigt werden können müssen. Kontoinhaber und Erben können eine Bankvollmacht jederzeit widerrufen, zum Beispiel, wenn kein Vertrauen mehr zum Bevollmächtigen besteht.

Es gibt zahlreiche Vordrucke für Bankvollmachten. Hier gilt es darauf zu achten, dass diese dann im Zweifel Bankgeschäfte gestatten, die im Zusammenhang mit dem Tod stehen oder über den Tod hinaus greifen. Eine „normale“ Vollmacht erlischt ansonsten mit Eintritt des Todes.

Gesetzliche Erbfolge

Haben sie weder einen Erbvertrag noch ein Testament aufgesetzt und hinterlassen, so tritt die gesetzliche Erbfolge des Bürgerlichen Gesetzbuches ein. Die gesetzliche Erbfolge bestimmt, wer Erbe des Nachlasses wird. In erster Linie erben ihre Kinder und der Ehepartner, sprich die engsten Verwandten. Gibt es keine Nachkommen, so kommen je nach Verwandtschaftsgrad die übrigen Angehörigen an die Reihe. Es können aber auch andere Personen erbberechtigt sein, wenn sie zu Lebzeiten im Testament von Ihnen eingesetzt werden/wurden.

Wurde kein Testament aufgesetzt, in dem die Verteilung des Nachlasses auf die Erben geregelt wurde, dann tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Die Erbfolge wird hierarchisch in Erben, erster, zweiter und dritter Ordnung eingeteilt.

Erben 1. Ordnung

Zu den Erben erster Ordnung gehören:

  • Ehepartner oder Lebenspartner des Verstorbenen
    Ehepartner und Lebenspartner sind in der Erbfolge der Verwandtschaft nicht berücksichtigt. Im Bürgerlichen Gesetzbuch, BGB ist jedoch geregelt, dass dem Ehepartner und eingetragener/m Lebenspartner/in der/des Verstorbenen neben Verwandten der 1. Ordnung ein Viertel, und neben Verwandten der 2. Ordnung die Hälfte des Erbes zusteht. Sofern eine Lebenspartnerschaft nicht in eine Ehe umgewandelt wurde, steht dem überlebenden Lebenspartner eine dem Ehegatten entsprechendes Erbrecht nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz zu.
  • Kinder des Verstorbenen
  • Enkelkinder des Verstorbenen
    Erst wenn die Kinder des Verstorbenen nicht mehr leben sind die Enkelkinder gesetzlich erbberechtigt.

Erben 2. Ordnung

Zu den Erben zweiter Ordnung gehören:

  • Eltern
  • Nichten und Neffen der/des Verstorbenen
    Nichten und Neffen werden nur dann gesetzliche Erben, wenn keine Geschwister des Verstorbenen mehr leben.

Das Testament

Das Testament muss einige Informationen enthalten, damit es gültig ist. Enthalten sein muss: Datum, Ort, voller Name, Geburtsdatum und die eigene Unterschrift (vorzugsweise mit Vor- und Nachnamen). Es muss klar und detailliert geschrieben sein, damit es zu keinen falschen Interpretationen kommt und vollständig handschriftlich und eigenhändig vom Erblasser geschrieben sein.

In der Regel ist ein eigenhändig geschriebenes Testament ausreichend und muss nicht öffentlich durch einen Notar beurkundet werden.

Lassen Sie sich bei der Erstellung eines Testaments von einem Fachanwalt für Erbrecht beraten. Er unterstützt Sie dabei, dass die Vermögensaufteilung juristisch einwandfrei ist und Ihren Wünschen entspricht.

Pflichtteil

Die überlebende Ehegattin, der überlegende Ehegatte sowie die Kinder und Enkelkinder von ihnen als Erblasser haben einen Anspruch auf den Pflichtteil und sind somit pflichtteilsberechtigt. Sollten Sie als Erblasser keine Kinder bzw. Abkömmlinge haben, steht ihren Eltern ein Pflichtteil zu. Der Anspruch des Pflichtteils der Pflichtteilsberechtigen gegen den oder die testamentarisch einsetzten Erben ist ein Anspruch auf Geldzahlung in Höhe der Hälfte des Wertes ihres jeweiligen gesetzlichen Erbteils.

Erbschaftssteuer

Welche steuerlichen Belastungen kommen auf Erben zu? Bedenken Sie, dass für jede Erbschaft Erbschaftssteuer anfällt. Dies ist für die Erben unter Umständen eine hohe finanzielle Belastung. Das Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser und der Wert des Nachlasses bestimmen die Höhe der Erbschaftssteuer. Jedem Erben steht ein persönlicher Freibetrag zu. Ein Ehegatte hat beispielsweise einen Freibetrag von 500.000,- Euro beim Erbe. Ein Kind hat beispielsweise einen Freibetrag von 400.000,- Euro Euro beim Erbe.

Heute können Sie die Übertragung Ihres Vermögens planen und schon zu Lebzeiten Immobilien, Barvermögen oder Wertpapiere verschenken. 

Was ist eine Schenkung?

Die Übertragung von Vermögen auf eine andere Person, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen, nennt man Schenkung. Sie erfolgt im Gegensatz zur Erbschaft noch zu Lebzeiten und fällt unter die Schenkungssteuer. Wie heißt es so schön: „mit warmen Händen geben“. Die Erbschaftssteuer ist im Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG) geregelt, da für beide Steuern ähnliche Bestimmungen gelten. Der große Unterschied ist jedoch, dass der Freibetrag bei der Erbschaft nur einmal abgezogen werden kann, bei einer Schenkung kann der Freibetrag alle 10 Jahre genutzt werden und ist somit steuerfrei. 

Sie können daher ihr Erbe in mehreren Tranchen im Abstand von 10 Jahren verteilen, um den Steuerfreibetrag voll auszuschöpfen. So ersparen oder minimieren Sie die Erbschaftssteuer. Sollten Sie höhere Beträge verschenken und es fällt Schenkungssteuer an, kann diese übrigens vom Beschenkten als auch vom Schenkenden übernommen werden, da Sie per Definition zu Lebzeiten beider Parteien stattfindet. 

Zu bedenken ist allerdings: sterben Sie vor Ablauf der letzten Zehnjahresfrist, so fällt für die Summe der letzten Schenkung die Erbschaftssteuer an.

Das Finanzamt unterscheidet drei Arten von Schenkungen:

  • Handschenkung
    Bei der Handschenkung erhält der Beschenkte sofort Zugriff auf den Vermögenswert, es sei denn, es handelt sich um Immobilien.
  • Schenkungsversprechen
    Das Schenkungsversprechen basiert auf einem notariell beurkundeten Vertrag.
  • Schenkung im Todesfall
    Bei der Schenkung im Todesfall handelt es sich um ein Schenkungsversprechen, das der Beschenkte nach dem Ableben des Schenkenden einlöst. Da diese Schenkung nach dem Todesfall eintritt ähnelt sie dem Testament und muss auch formal diesem entsprechen. Im Unterschied zur herkömmlichen Schenkung erfolgt bei der Schenkung auf den Todesfall der Eigentumsübertrag erst nach dem Tod. Der Vorteil der Schenkung auf den Todesfall ist, verglichen mit der Erbschaft, bleibt das Geschenk bis zu Ihrem Tod in Ihrem Besitz und wird nach Ihrem Tod nicht zur Erbmasse gerechnet.

Eine Schenkung lässt sich übrigens rückgängig machen, sofern eine Rückabwicklungsklausel im Schenkungsvertrag enthalten ist. Rückforderungsgründe können ein plötzlich zerrüttetes Verhältnis der beiden Vertragsparteien, der Tod des Begünstigten oder eine unvorhergesehen hohe Schenkungssteuer sein.

Verwandschaftsgrad Freibetrag
Ehepartner, eingetragene Lebenspartner € 500.000,–
Leibliche und adoptierte Kinder, Stiefkinder € 400.000,–
Enkelkinder, Stiefenkel € 200.000,–
Eltern, Stiefeltern, Geschwister, Großeltern, Nichten, Neffen, Schwiegerkinder € 20.000,–
Lebensgefährten, Freunde, Geschäftspartner und weitere € 20.000,–

Verteilen Sie Wertgegenstände noch zu Lebzeiten. Warum dies sinnvoll sein kann?

Bevor das Erbe angetreten wird, sollten die Erben prüfen, ob Sie als Erblasser überschuldet waren. Sofern Sie das nicht waren legt das sogenannte Rundumwahlverfahren fest, in welcher Reihenfolge die einzelnen Erben je einen Wertgegenstand auswählen dürfen. Kann sich die Erbengemeinschaft auf keine gütliche Verteilung der Wertgegenstände einigen, schreibt das Erbrecht eine Veräußerung vor.

Sobald also mehr als eine Person an einem Erbe beteiligt ist, entsteht nach deutschem Recht eine Erbengemeinschaft. Das bedeutet: die Nachlass-Begünstigten dürfen nur gemeinschaftlich über die Erbmasse verfügen. Hier ist Einigkeit gefragt. Sind sich also alle Erben über die Verteilung der Wertgegenstände einig, bzw. akzeptieren alle die testamentarisch festgelegte Erbquote, kann eine unproblematische Aufteilung des Erbes durchgeführt werden. In diesem Falle wird ein Teilungsplan erstellt, der von allen Erben unterzeichnet werden muss. Wertgegenstände, die nicht in das Eigentum eines der Erben gehen, können einvernehmlich veräußert und der Verkaufserlös aufgeteilt werden.

Komplexer wird der Vorgang, wenn unter den Erben keine Einigkeit zur Verteilung der Wertgegenstände aus dem Nachlass besteht. Die Erben sollten bei einem Zusammentreffen zuallererst ihre Standpunkte vertreten und nach einer gütlichen Einigung streben. Warum dies wichtig und oft doch so schwierig ist?

Bei der Bewertung der Wertgegenstände kommt es oft zu unterschiedlichen Auffassungen. Hier kann das Hinzuziehen eines Sachverständigen ratsam sein. Auch die Mithilfe einer neutralen Person, eines Mediators, kann sinnvoll sein, der alle Wünsche der Erbparteien berücksichtigt und nach Lösungsmöglichkeiten sucht. Die Kosten hierfür werden entsprechend der Erbquoten aufgeteilt. Bestehen mehrere Erben auf dieselben Gegenstände, kann ein Losverfahren über die Zuteilung entscheiden.

Tragen alle diese Bemühungen keine Früchte und die Erbengemeinschaft ist sich immer noch nicht auf eine gütliche Verteilung der Wertgegenstände einig, schreibt das Erbrecht eine Veräußerung vor. Der Verkaufserlös wird dann entsprechend der Erbquoten verteilt.

Häufige Nachteile

  • Wie so oft wird bei einem zwangsmäßigen Verkauf nicht immer ein adäquater Marktwert erzielt.
  • Sie müssen hier auch davon ausgehen, dass der Nachlass den Familienbesitz verlässt und an Dritte veräußert wird.
  • Hinzu kommt, dass eine Auseinandersetzung bei Nichteinigung langwierig und teuer für die Erben werden kann. Die Veräußerung des Nachlasses muss gerichtlich veranlasst werden. Nach Ausgleich aller Verbindlichkeiten wird durch eine gerichtliche Erbteilungsklage die Liquidierung erzwungen.

Erzielt eine Erbengemeinschaf keine Einigung, so müssen Gegenstände, wie beispielsweise Schmuck, Gemälde, Antiquitäten, Münzsammlungen, Bilder, Teppiche veräußert werden, so dass der Veräußerungserlös dann entsprechend der Erbquote verteilt werden kann. Allerdings kommt es sogar auch vor, dass Erben sich nicht darauf einigen können, dass ein Verkauf erfolgen soll.

In so einem Fall kommt es dann zum sogenannten freihändigen Pfandverkauf über einen Gerichtsvollzieher. Umgangssprachlich bedeutet dies eine Versteigerung des Nachlasses.

Sie sehen also, warum es gute Gründe gibt Wertgegenstände bereits zu Lebzeiten zu verteilen. Schenken bzw. überlassen Sie Ihren Liebsten noch zu Lebzeiten wichtige Gegenstände. So können Sie sich auch an Ihrer Freude erfreuen. Sollte dies nicht Ihrem Wunsch entsprechen, so empfiehlt es sich, eine klare Regelungen in einem Testament zu finden. So vermeidet man nervenaufreibende Auseinandersetzungen unter den Erben.